Es ist Dienstag, der 29. Dezember 2009 und wir nehmen Abschied von Siem Reap und all den Tempeln. Denn heute haben wir uns einen Nacht-Trip... nein, einen Luxus-Night-Bus-all-Comfort-Trip nach Siahnoukville geleistet. Da faehrt man locker 11 Stunden mit dem Bus durch die Nacht und kommt voellig entspannt am anderen Morgen frueh am Ziel an und hat auch noch die Ubernachtungskosten gespart. Super, Triple-Win-Situation, Herz, was willst du mehr...
Wir checken also unsere Suite im Green Town Guesthouse in Siem Reap aus und der Chef der Lobby - von uns liebevoll Warzenhaar genannt - versucht uns schon wieder ueber den Tisch zu ziehen, indem er uns das Bus Ticket doppelt verrechnen will. Mit Buchhalter innerhalb der Reisegruppe kann dies aber nicht passieren und so machen wir ihn unmittelbar auf den Umstand aufmerksam, was er dann auch korrigiert, zwar leicht muerrisch, aber das ist uns ja sowas von egal. Wir sind froh, dass wir endlich weiter kommen. Nach soviel Kultur sehnen wir uns nach Strand, Erholung und Entspannung. Es wurde abgemacht, dass wir vom Guesthouse abgeholt werden und dann mit einem Pick-Up zum Bus-Terminal gebracht wurden. Toll, klingt gut. Der Pick-Up kam auch und brachte uns aber nicht zum Bus-Terminal, sondern nur 120 Meter in ein anderes Hotel, dort werde dann der Luxus-Super-High-Liner auch halten und wir koennen aufhuepfen und auf unseren Fauteuils 21 und 22 Platz nehmen - man koennte auch sagen, auf den Saenften. Jawohl. Juhuu, wir freuen uns....
Mit knappen 20 Minuten Verspaetung (also puenktlich) traf dann der Bus auch ein. Nun, rein auesserlich jetzt nich der Ueberbrueller, aber was solls, es kommt sowieso auf die inneren Werte an. Das leicht erstaunte Gesicht des Begleiters, als er uns sah, liess schon Boeses vermuten, dass dann auch unmittelbar eintraf. Es war ein Doppelstoecker Bus, unten fuers Gepaeck und oben fuer die Gaeste. Nach 10 Minuten hin und her und rauf und runter war es dann endlich soweit, wir durften einsteigen... aber nicht, wie erwartet in den oberen Stock. Oh nein!!! da der Bus ueberbucht war, gab's fuer uns beiden Nachzuegler nur noch zwei Notsitze beim Gepaeck. aha - zu diesen Sitzen gelangt man, wenn man vor der Toilette sich auf alle 4 begiebt, und dann durch einen Gepaecktunnel kriecht, dann links, 2 Sitze... bei der Halbzeit duerften wir dann hoch kommen, da wuerden 2 Passagiere aussteigen. Hmmmm.... okay, die Alternativen waren da bleiben oder reinkreichen. Wir dachten uns: ALLES IDIOTEN und krochen rein. Muehsam und eng durch den gang gerobbt, dann links, in der Tat, 2 Sitze waren freigeschaufelt. Rechts tuermte sich Gepaeck - alles wie in einem schlechten Film. Aber es kam ja noch viel besser. Auf der linken Seite wurde das Polster der Armlehne entfernt (aus Platzgruenden) was dazu fuehrte, dass sich zwei Metallkanten zaertlich in den Unterarm drueckten. Das alles war nicht so schlimm, denn das Licht wurde sowieso abmontiert und die Klimaanlage war die einzige Unterhaltung, die uns direkt ins Gesicht blies ohne Moeglichkeit der Einstellung. Es ist doch oft so, wenn du denkst, jetzt kann es wirklich nicht mehr schlimmer kommen, dann wird man eines besseren belehrt. Und so war es auch in unserem Fall. Kurz nach der Abfahrt kam der von uns meistgehasste Reisebelgeiter zu uns gekrochen und sagte, er muesse leider unsere Kriech-Hoehle zu machen, da sonst die Obrigkeit nicht auf die Toilette koenne, wenn sie denn muessen. Und ohne unser Murren oder unseren Endloszorn abzuwarten, verschwand er und verbarrikadierte kurzerhand unseren einzigen Ausgang. So, positiv koennte man erwaehnen, dass wir es schoen ruhig hatten... aber in uns stiegen langsam Gedanken hoch, was ist, wenn der Bus ein Unfall hat? oder wenn Feuer ausbricht? oder wenn Panik ausbricht und wir auf dem Nievau der untersten Treppenstufe mit unseren Koepfchen hervorgekrochen kommen? Gedanken, die man sich in dieser Situation besser nicht macht, denn sie koennen leicht zur eigenen Panik fuehren. Wir schluckten unsere Bedenken runter, witzelten etwas darueber und versuchten trotz aller Widrigkeiten etwas zu schlafen.... bis uns nach etwa 3 Stunden ein Reifen am Bus platzte. Hossa ho... Dank der Doppelbereifung kam der Bus aber sicher zum Stillstand und danach ging der Tumult los. In aber nur knapp einer halben Stunden war der Defekt behoben, das Reserverad dran und die Reise konnte weiter gehen. Nach weiteren 2 Stunden hatten wir endlich Phnom Penh erreicht. Halbzeit und wir durften aus unser Hoehle wieder hervorkriechen, weil nun unsere Sitze frei wurden. Oben angekommen sahen wir, dass es in der Tat ein recht luxurioeser Bus war, mit schoen gepolsterten Sitzen, Liegemoeglichkeit und Videoanlage, Decke und Kissen - wunderbar. Aber wir sind auch ueberzeugt, dass niemand anderes dies so schaetzen konnte, wie wir...
Die weitere Reise bis nach Sihanoukville an der Kueste im Sueden war dann ein richtiger Klacks im Vergleich zum ersten Teil und schwupp di wupps waren wir am Morgen um ca. 6.30 Uhr dort. Heute war dann also der 30. Dezember und ganz offensichtlich kommen sehr viele Einheimische von Phnom Penh ueber Silvester hier in den Sueden. Dies hatte zur Folge, dass wir mit dem geschnappten Taxi einige Guesthaeuser und Hotels anfahren mussten, bis wir an der Serendipity Beach ein herrliches Guesthouse gefunden haben - einigermassen preiswert (wenn auch doppelter Tarif bis und mit zum 1. Januar) aber mitten im Geschehen... und zudem war der Fluegel, in welchem unser Zimmer war, an jenem Tag gerade neu eroeffnet worden - also Erstbezug durch uns, herrlich...!!
Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten, gingen wir an den Strand und genossen das bunte und emsige Treiben bei einer leckeren Kokosnuss und erfreuten uns der kuehlen salzigen Brise, die in unser Gesicht blies. Aus lauter Freude goennten wir uns noch einen Drink - Taemeli einen Mojito und Andy sich einen Gin Tonic und so beschlossen wir diesen Tag indem wir noch einen Schnorcheltrip fuer den Folgetag buchten. Das mit dem "Tag beschliessen" dachten wir zumindest. Denn bereits nach kurzer Ruhephase kam das Phaenomen "Pfiff de Duenn" - weniger Vornehm ausgedrueckt heisst dies wohl Duennschiss (haben wir gehoert) - und zwar von der ganz brutalen Sorte. Wir wechselten uns quer durch die Nacht ab, konnten praktischerweise das Licht auf der Toilette brennen lassen und klatschten uns gegenseitig die Schuesselhoheit ab. Aber wenn man sich liebt ist ja auch das kein Problem.... Am Morgen des 31. Dezembers waren wir beide so ausgelaugt und immer noch etwas schwach im Darm, dass wir nicht auf den Schnorcheltrip gingen - wir konnten ihn gluecklicherweise auf den Folgetag verschieben. Stattdessen ueberredete der redegewandte Andy das wunderbare Taemeli dazu, uns eine tuechtige Flasche Mehkong Schnaps zu kaufen, damit alle Bakterien auf der Breitseite bekaempft wuerden. Und so kam es, dass wir mit der Silvesterfeier schon am Vormittag begonnen hatten.... ja, der Zweck heiligt bekanntlich alle Mittel...:-)) Das Taemeli war so ueberwaeltigt von dem lecker Schnaps, dass es sich zu einem Spontan-Mittags-Nuk entschloss, was die Hektik aus dem Tage nahm. Am Abend gingen wir dann nur ein vorsichtig Menueli essen, um den Magen nicht zu sehr zu beanspruchen. Den Silvester feirten wir dann am Strand inmitten von Millionen (nur leicht uebertrieben) anderer Leuten und Feuerwerk. Es war wunderbar, obwohl wir uns mit etwas Wehmut an die wunderbaren Auslagen im Restaurant Huesy in Blankenburg erinnerten. Janu, das kommt auch wieder...
Am 1. Januar gingen wir dann per Boot auf einen Inseltrip, gekoppelt mit BBQ und Schnorcheln. Wie immer sollte man nicht allzu hohe Erwartungen haben, denn nur so werden sie nicht enttaeuscht. Also, das Essen war nicht besonders, die Schnorchelausruestung nicht ausreichend und die die da war, war mangelhaft... und trotzdem haben wir uns sehr gut unterhalten, die Sonne genossen und unseren Maegen und Verdauungstrackts ging es auch wieder viel besser. Auf diesem Ausflug haben wir noch ein reizendes Deutsches Ehepaar kennengelernt, Simone und Markus, mit denen wir am selben Abend ein gemeinsames Essen eingenommen haben und bei lecker Gin Tonic uns ueber das Mysterium des Zusammenseins von Mann und Frau ausgetauscht haben. Es war koestlich und wir haben es sehr genossen.
Heute nun ist der 2. Januar 2010. Unser letzter Tag in Sihanoukville. Soeben haben wir die Weiterreise nach Kampot organisiert und freuen uns, dass es morgen frueh weiter geht, noch weiter oestlich fast bis an die Grenze zu Vietnam. Und bevor wir nun unsere weissen Baeuche wieder an die Sonne legen und uns vielleicht noch eine Strandmassage goennen, wuenschen wir euch allen von Herzen ein frohes Neues Jahr, viel Glueck und Erfolg, viele schoene Momente und natuerlich einen guten Wiedereinstieg ins Arbeitsleben....:-)))
Herzlichst
Miracle Taemli & Humpling Hirsch Andy